Zusammenfassung der letzten Monate

Still ist es in den letzten Monaten auf dieser Seite geworden. Wie wir nun wissen, handelte es sich dabei sowohl um die Ruhe NACH dem Sturm, als auch um die Ruhe VOR dem Sturm. Verwirrend, oder? Dann es ist höchste Zeit, Sie über die Ereignisse der letzten Monate zu informieren.

Aus zweigleisig wird eingleisig

Anfang dieses Jahres fand die Erörterung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für den Schleswig-Holsteiner Bereich statt (wir berichteten). Im Anschluss lag die Hauptaufgabe bei der Planfeststellungsbehörde, die dort vorgetragenen Argumente zu bewerten. Für uns als Bürgerinitiative gab es zunächst nicht allzu viel zu tun, was aber nicht bedeutet, dass wir untätig waren. Neben allgemeiner Informationsbeschaffung haben wir uns gleichzeitig noch eingehender in die Materie eingearbeitet und uns mit Alternativen beschäftigt…dazu später mehr.

Im Grunde vergingen die Monate aber relativ ereignislos. Das sollte sich am 20.09.2018 schlagartig ändern. Denn an dem Tag titelte das Hamburger Abendblatt: „S 21 – Große Lösung ist vom Tisch“ und schrieb, dass Schleswig-Holstein und Hamburg sich offenbar darüber einig sind, dass zwischen den Haltestellen „Ellerau“ und „Tanneneck“ kein zweites Gleis gebaut werden soll. Eine offizielle Stellungnahme gab es dazu aber nicht.

Am 10.10. wurde dies auf einem Lenkungsausschuss der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg dann tatsächlich so beschlossen. Einer Pressemitteilung des Kieler Wirtschaftsministeriums waren neben einer nun offiziellen Bestätigung, zusätzlich diverse Interessante Informationen zu entnehmen:

  • Eine „Eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung“ ergab, dass eine Zweigleisigkeit in dem kritischen 800 Meter langen Abschnitt nicht zwingend notwendig ist.
  • Die nun notwendige Anpassung der Planunterlagen wird etwa ein halbes Jahr dauern. Anschließend werden die kompletten Unterlagen für den Schleswig-Holsteiner Abschnitt erneut ausgelegt. Jeder irgendwie betroffene Bürger hat dann nochmals die Möglichkeit seine Einwendungen vorzubringen.
  • Der Planfeststellungsbeschluss wird aktuell für 2020 erwartet. Mit einer Inbetriebnahme der S21 wird nicht vor 2025 gerechnet.

An dieser Stelle möchten wir dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein und dort speziell dem Staatssekretär Herrn Dr. Rohlfs unseren Dank aussprechen. Herr Rohlfs hatte unserer Bürgerinitiative am 08.11.2017 einen Besuch abgestattet, um sich selbst einen Eindruck von der Lage vor Ort zu machen. Er hatte im Anschluss zugesichert, dass er die Situation prüfen und sich um eine Optimierung bemühen wolle. Er hat Wort gehalten! Wir freuen uns über die Einsicht und die daraus erfolgte Planänderung.

Aber die Hoffnung, dass sich dadurch das Klagerisiko in Luft auflöst, wird voraussichtlich nicht in Erfüllung gehen. Denn auf der gesamten 30 Kilometer langen Strecke gibt es starke Vorbehalte hinsichtlich der Oberleitung samt Masten und dem fast durchgängig fehlenden Lärmschutz.

Alternativen zur Oberleitung

Dass es gerade für die Oberleitung zahlreiche Alternativen gibt, demonstriert derzeit eine Gruppe Betroffener (unter Mitwirkung der Bürgerinitiative Bahnstraße), die sich im Anschluss an die Erörterungstermine formiert hat. Ausgestattet mit viel Wissen über das geplante Projekt und umfangreicher Sachkenntnis rund um das Thema Energieversorgung, hat man sich mit verschiedenen Möglichkeiten anstelle einer elektrischen Oberleitung auseinandergesetzt. Im Fokus dabei: Antriebe mit Akku- und Brennstoffzellentechnik. Und auch die Gleichstromschiene ist sicher nicht die beste, aber weiterhin eine mögliche Variante, wie ein jüngst aufgetauchtes Gutachten bestätigt.

Daraus entstand unter anderem die Idee, dass die Züge mit Akkus sowie Abnehmer für die Stromschiene ausgerüstet werden. Die Akkus könnten dann während der Fahrt an der Stromschiene im Hamburger Bereich und/oder am Endhaltepunkt geladen werden, so dass auf dem etwa 30 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Eidelstedt und Kaltenkirchen die Elektrifizierung mittels Oberleitung entfallen kann.

Dass aktuell die Zughersteller an der Entwicklung von Zügen mit Akku- und Brennstoffzellentechnik arbeiten, zeigt deutlich, dass das Thema nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. 2019 geht in der Schweiz ein von Siemens entwickelter Akkuzug (Cityjet Eco) in den Fahrgastbetrieb und ein Akkuzug von Bombardier (Talent 3 BEMU) startet etwa zur selben Zeit umfangreiche Testfahrten. Zudem ist in Niedersachen bereits ein Wasserstoffzug (iLint) erfolgreich in den Regelbetrieb gestartet. Der iLint fuhr auch bereits auf AKN-Gleisen zwischen Neumünster und Kiel. Dieser Technik gehört die Zukunft! Die teure, störanfällige und hässliche Oberleitung hat ihren Zenit überschritten.

Mit dieser Idee und weiteren Lösungsansätzen ist man derzeit aktiv dabei, die Verantwortlichen zu überzeugen. Dabei wird deutlich, dass die Politik an dieser zukunftsweisenden Technik, die übrigens hervorragend die Ziele der Energiewende unterstützt, generell interessiert ist. Die Aussagen der Regierungsparteien im Schleswig-Holsteiner Koalitionsvertrag sind dazu eindeutig. Dies zeigt auch das 2016 und 2018 durch Schleswig-Holstein erfolgte Vergabeverfahren „XMU“, bei der innovative Triebfahrzeuge ausgeschrieben wurden. Diese Ausschreibung gilt aber nicht für das Projekt „Elektrifizierung der AKN-Strecke A1/S21 zwischen Eidelstedt und Kaltenkirchen“. Warum ist das so? Einige mögliche Gründe:

  1. Die Deutsche Bahn, zu der die S-Bahn Hamburg gehört, hat eine klare Vorstellung, wie die Umsetzung des Projekts erfolgen soll. Und zwar mittels Oberleitung…Punkt! Abweichungen von diesem Plan sind nicht erwünscht!
  2. Zu beachten ist, dass das Hamburger Streckennetz eine Reihe von Besonderheiten, wie beispielsweise niedrige Tunnelhöhen oder dem Verbot des Dieselantriebs innerhalb bestimmter Bereiche aufweist. Die aktuellen AKN-Züge der Marke LINT könnten und dürften daher nicht zum Hauptbahnhof fahren. Alternativ könnten die Züge beispielsweise über den derzeit in Planung befindlichen Bahnhof Altona Nord (heute Diebsteich) bis Altona (alt) fahren. Ein Umstieg auf einem modernen Bahnhof in alle existierenden S-Bahn-Linien, zahlreiche Buslinien und den Fernverkehr wäre somit ohne große Investitionskosten möglich. Aber auch dies will man nicht.
  3. Fertige S-Bahn-ähnliche Züge, die die Hamburger Gleise befahren können, gibt es noch nicht auf dem Markt. Mit einer Fertigstellung und Inbetriebnahme wäre, so die Landespolitik, nicht vor 2030 zu rechnen. Statt nun endlich in zukunftsfähige Technik zu investieren, will man lieber viele Millionen Euro im Auslaufmodell Oberleitung versenken. Hier fehlt der Politik aus unserer Sicht schlicht der Mut und der nötige Weitblick.
  4. Aussagen wie „Umsteigefreiheit in Eidelstedt“ oder „Verkürzung der Fahrzeit um 5 Minuten“, sind in ihrer Absolutheit zwar inhaltlich falsch, aber dennoch fest in den Köpfen von Politikern und Bürgern verankert. Es erscheint wie ein Kampf gegen Windmühlen, die tatsächlichen Fakten zu vermitteln, um dann letztendlich eine für alle Beteiligten nachhaltige Lösung zu erreichen.

Fazit

Es ist zunächst festzuhalten, dass einerseits mit der Eingleisigkeit zwischen Ellerau und Tanneneck ein großes Etappenziel erreicht wurde.

Andererseits wird dieses Projekt nun aber dennoch weitestgehend unverändert weitergeplant. Letztlich wird damit die einzigartige Chance verpasst, ein zukunftstaugliches Vorzeigeprojekt im Kontext erneuerbarer Energien zu realisieren, bei dem man die Interessen der Pendler und Anwohner weitestgehend berücksichtigt und trotzdem Steuergelder sparen kann.

Davon auszugehen, dass das Projekt 2025 abgeschlossen sein wird, könnte sich zudem als blauäugig herausstellen. Zu tief sitzt, nach unserer Erkenntnis, bei vielen Anwohnern der Frust. Im letzten Jahrzehnt wurde die Strecke immer weiter ausgebaut, ohne dass man auf die Anlieger mehr als irgendwie nötig Rücksicht genommen hat. Viele sind einfach nicht mehr bereit, sich dies widerstandslos gefallen zu lassen. Und sollte es zu Klagen bzw. Verzögerungen im Rahmen des Grundstückserwerbs kommen, wird sich die Projektrealisierung nochmals um mehrere Jahre verzögern. So wäre eine konfliktfreie Alternativlösung dann womöglich noch eher realisiert.

Wir werden uns daher weiterhin in Gesprächen mit den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft für eine Lösung einsetzen, bei der alle Interessen hinreichend berücksichtigt werden.

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